STABILITÄT ALS FUNDAMENT FÜR DIE ZUKUNFT
«Ein Geschäftsbericht ist nie ein Bestseller. Und doch haben wir hier die Möglichkeit, über Hintergründe, weitreichende strategische Arbeiten und einige Erfolge im Jahr 2024 zu berichten. Die stillen Entscheidungen sind oft die gewichtigsten. Als Stiftungsratspräsident bin ich zusammen mit den anderen Mitgliedern des Stiftungsrates dafür verantwortlich, dass unsere Bewohnenden ruhig schlafen können und dass unsere Mitarbeitenden einen sicheren und stabilen Arbeitsplatz haben. Aus Erfahrung weiss ich, dass gerade zukünftige Mitarbeitende diesen Bericht lesen, wenn sie sich um eine Stelle bewerben. In diesen bewegten Zeiten interessieren sich vielleicht noch andere dafür.
Die Spätfolgen der Pandemie sind immer noch spürbar. Die Extremsituation von 2020 bis 2022 hat viele Prozesse über den Haufen geworfen, die wir kurz zuvor mit Weitblick angegangen waren. Während der Pandemie mussten wir aus gutem Grund spontan und für die Sicherheit der Menschen handeln. Wir brauchten Helden des Alltags, die schnell entschieden und sich kümmerten. Es fehlte uns in der grossen Organisation aber an genügender Breite von Mitunternehmer:innen. Wir haben gemerkt, dass unsere Unternehmenskultur einem solchen Ereignis nicht gewachsen ist und dass wir enger zusammenrücken müssen. Wie können wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden einen Weg finden, der ihnen das Gefühl gibt, trotz individueller Aufgaben auch Teil eines grossen Ganzen zu sein? Wie schaffen wir mehr Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Personen, um jeden Einzelnen zu entlasten?
2024 haben wir intensiv an der Strategie und an der Umsetzung des Leitbilds gearbeitet. Erste Erfolge können wir vorweisen, sie bieten Halt und Zuversicht für die Zukunft. Wir wollten mehr Systematik, einheitlichere Prozesse und datenbasierte Entscheidungen in möglichst allen Bereichen. Auch wenn wir als Menschen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen arbeiten, müssen wir unternehmerisch handeln und eine stabile Basis für alle schaffen. Wir handeln strategisch und wertebasiert, sodass der Gewinn den Menschen zugutekommt.
Gerade im Stiftungsrat treffen wir viele Entscheidungen, die nicht sofort sichtbar sind. Dabei profitieren wir von unseren unterschiedlichen Hintergründen und Kenntnissen, die im Gremium zusammenkommen. Das gibt Sicherheit, auch wenn wir uns gedanklich oft in der Zukunft bewegen und in Szenarien denken. Das heisst aber nicht, dass wir uns nicht um das tägliche Wohl der Bewohnenden, der Kund:innen und vor allem der Mitarbeitenden kümmern.
Im vorliegenden Geschäftsbericht kommt dies in mehreren Beiträgen zum Ausdruck, so etwa in den Berichten über die Eröffnung des neuen Verwaltungsgebäudes, die Immobilienstrategie oder über den Fachbereich MiA, Menschen im Alter. Dass wir am 12. Dezember das Verwaltungsgebäude angrenzend an den Bäraupark feierlich einweihen konnten, war das Ergebnis einer langen Planung. Diesen Moment konnten wir feiern und uns dabei bewusst werden, dass wir hier etwas für die Zukunft geschaffen haben. Wir haben am Fundament der Stiftung gearbeitet, damit sich das eigentliche Kerngeschäft, die Pflege und Betreuung von Menschen im Alter und Menschen mit Beeinträchtigung, zeitgemäss und stabil entwickeln kann. Mit der Immobilienstrategie haben wir ein Instrument in der Hand, um den Wert unserer Infrastrukturen langfristig zu erhalten und gleichzeitig Erträge für das Kerngeschäft zu erwirtschaften.
Es gibt noch viel zu tun, aber wir haben bereits vieles richtig gemacht: In unser Kerngeschäft haben wir viel investiert. Die Integration aller Standorte in das erwähnte grosse Ganze konnten wir weiter vorantreiben. Der von uns gewählte Weg – eine Symbiose zwischen Standortautonomie und der Kraft einer grossen Organisation – stellt für viele Mitarbeitende eine Herausforderung dar und erfordert Orientierung. Diese gibt die Geschäftsleitung durch die Lebensart-Schlüsselmomente (auch Must-win-Battles genannt). Nebst den nach innen gerichteten Themen zwingen uns auch veränderte gesellschaftliche Bedürfnisse und politische Rahmenbedingungen, beispielsweise bei der Finanzierung, zu Anpassungen. Solche Veränderungen bringen naturgemäss zusätzlich Instabilität und Unsicherheit mit sich. Als grössere Arbeitgeberin sind wir auch von der Fluktuation der Mitarbeitenden betroffen. Hohe Fluktuation bringt schrille Nebengeräusche mit sich, welche unsere Bemühungen um eine sinnvolle Arbeit in einem attraktiven Umfeld überdecken. Im Fachbereich Menschen im Alter investieren wir beispielsweise in einfachere Abläufe und eine einfachere Dokumentation, um die Mitarbeitenden bei ihrer Arbeit besser zu unterstützen und ihre Weiterentwicklung zu fördern. Unser Hauptziel ist es dabei, mehr Zeit für die Pflege und persönliche Kontakte mit den betreuten Menschen zu schaffen. Ich höre immer wieder, dass wir viele Mitarbeitende auf dem Weg der Veränderung mitnehmen. Auch Angehörige sagen mir oft, dass sie mit der Betreuung und der erbrachten Leistung sehr zufrieden sind. Wir wollen einen Weg und den Mehrwert aufzeigen, damit wir unbekümmerter werden.
Das Ergebnis 2024 hat sich in die richtige Richtung entwickelt. Es ist uns gelungen, einige Anpassungen im Angebot vorzunehmen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Beispiele im Geschäftsbericht zeigen, wie wir uns den aktuellen Herausforderungen stellen und Fortschritte erzielen konnten. Diese positiven Entwicklungen sind besonders wichtig, da wir uns langfristig auf bedeutende demografische Veränderungen einstellen müssen: Die Anzahl der über 80-jährigen Menschen in der Schweiz wird sich bis 2050 mehr als verdoppeln. Der Pflegebedarf wird entsprechend zunehmen, was mit einer kürzeren Aufenthaltsdauer und mehr Ein- und Austritten in den Institutionen einhergeht. Wir rechnen auch mit einer Zunahme verschiedener Formen von Demenz. Viele Investitionen werden erst dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn sich die neuen Rahmenbedingungen etabliert haben.
In der Branche konnten wir uns im Geschäftsjahr 2024 gut positionieren. Wir haben bewusst unser Profil geschärft und neue Lösungswege beschritten. Sei es mit Unterstützung bei der Datenanalyse oder mit Investitionen in die Dokumentation. Wir haben einen längeren Atem als börsenkotierte Mitbewerber, welche zu kurzfristigerem Handeln gezwungen sind. Der Rückhalt der Stiftung bietet die nötige Stabilität, um Unsicherheiten auszuhalten. Theoretisch könnten wir gemäss Stiftungszweck auch einen grösseren Teil des Vermögens am Finanzmarkt anlegen, den Fokus stärker auf die Vermögensverwaltung legen und mit sicheren Bundesobligationen Gewinne erzielen. Wir tun dies nicht, sondern investieren sorgfältig und vorausschauend in unser immer wieder zeitgemäss zu definierendes Kerngeschäft. Die Stiftung ist gut dotiert und nur zu einem bescheidenen Teil fremdfinanziert. Der «Ergebnis-Stress» hat in den letzten Jahren zugenommen, vor allem wegen der Pandemie, aber auch wegen der Integration neuer Standorte. Und doch fühlte ich mich Ende 2024 wohler, als ich die Investitionen in die Zukunft mit dem Ergebnis der Gegenwart abglich. Wir sehen, dass sich unsere Strategie nach und nach bewährt.»
