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es beginnt mit einem lächeln

«Jetzt bin ich für Sie da.» Ein Satz, der in Begegnungen mit den Bewohnenden oft leise fällt und doch präzise beschreibt, was die Mitarbeitenden von Aktivierung und Freizeit täglich tun. Sie schaffen Momente, in denen Bewohnende sich beteiligen, sich ausdrücken, miteinander lachen und Schritt für Schritt Vertrauen fassen.

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Jeder Mensch bringt eine eigene Geschichte mit. Fähigkeiten, Gewohnheiten, Interessen und Bedürfnisse prägen das Leben. Diese zu erkennen und ernst zu nehmen, ist der Ausgangspunkt der Arbeit von Aktivierung und Freizeit. Aus dieser Haltung entstehen Beziehungen, die Bewohnende stärken, weil sie sich gesehen und verstanden fühlen.

Dora Liechti und Anaïs Thévoz stehen stellvertretend für das Team von Aktivierung und Freizeit in Bärau. Dora hat vor über zwanzig Jahren den Weg von der Pflege in die Aktivierung gewählt, weil sie Menschen in ihrem inneren Erleben näher sein wollte. Anaïs fand über ein Praktikum und ihr Studium zur dipl. Aktivierungsfachfrau HF zu Lebensart. Beide verbindet eine klare Haltung: Bewohnende sollen in ihrem eigenen Rhythmus tun, was ihnen guttut und Freude schenkt. Sie sollen erleben, dass ihr Tempo zählt.

GEMEINSAM GESTALTEN, GEMEINSAM ERLEBEN

Ein neues Angebot beginnt oft mit einer einfachen Frage: «Was macht dir Freude?» Oder: «Welche schönen Erinnerungen hast du?» Dort, wo diese Antworten zusammenfinden, entstehen Aktivierungs- und Freizeitangebote wie Spaziergänge, kreative Arbeiten, Musikstunden, Kochrunden oder Spielgruppen. In solchen Momenten verbinden sich Bewegung und Begegnung, Alltag und Erleben. Ausflüge führen diese Verbindungen weiter. Orte mit persönlicher Bedeutung rufen Erinnerungen wach und machen Vertrautes wieder spürbar.

«Beim Lebensart-Fest gemeinsam mit dem OK auf das Rössli-Spiel zu steigen, das Leben zu spüren und den Stolz aller zu sehen, hat mich im Herz sehr berührt.»

Dora Liechti ist Leiterin Aktivierung in Bärau.

Gemeinsame Anlässe wie das Open Air oder das Lebensart-Fest zeigen, was möglich ist, wenn Bewohnende mitgestalten. Sie planen mit, übernehmen Aufgaben und prägen die Anlässe mit ihrem Engagement. So entsteht Identität, erlebbar und nah.

Manchmal beginnt eine Geschichte mit einem einfachen Satz eines Bewohners: «Jetzt wieder einmal ein feines Gnagi.» Eine Aktivierungsfachfrau nahm diesen Wunsch auf und fragte bei weiteren Bewohnenden nach. 26 schlossen sich an und sassen schliesslich gemeinsam im Restaurant Sternen in Zollbrück und assen Gnagi. Bis heute erzählen sie davon. Ein Mittagessen wurde zu einem Moment, der verbindet und lange nachwirkt.

VERTRAUEN, DAS WACHSEN DARF

«Tun, was mir gefällt und guttut» bedeutet für das Team, Räume zu schaffen, in denen Bewohnende sich selbst erleben können. Wünsche verändern sich im Laufe des Lebens. Viele bleiben jedoch konstant: wahrgenommen werden, gute Momente erleben, Besuche erhalten, dazugehören.


«Die meisten älteren Menschen wünschen sich vor allem Wahrnehmung, Sinn und Zugehörigkeit. Dass jemand aktiv zuhört. Das ist ein Grundbedürfnis.»

Dora Liechti 

Bewohnende mit Beeinträchtigungen äussern häufig sehr persönliche Wünsche: einen Eishockeymatch besuchen, ein Museum entdecken, im Dorf Kaffee trinken oder Musik machen. Der individuelle Hilfeplan (IHP) zeigt auf, was jemand braucht und was ihm guttut. Wichtig ist dabei die Freiwilligkeit. Bewohnende dürfen teilnehmen, aussetzen oder zurückkehren und dies jederzeit in ihrem eigenen Tempo.

Wie bedeutsam kleine Momente sein können, zeigt eine Begegnung von Anaïs. Ein Bewohner zog sich zu Beginn zurück und wollte kaum Kontakt. Heute lächelt er, wenn sie den Raum betritt, und spielt Gitarre mit ihr. Vertrauen entsteht oft leise und wächst behutsam.

ZUSAMMENARBEIT, DIE TRÄGT

Hinter jedem Angebot und jedem gemeinsamen Erlebnis steht ein Team, das Kompetenzen bündelt. Aktivierung und Freizeit, Pflege und Betreuung arbeiten eng zusammen. Ideen entstehen im Austausch mit den Bewohnenden und mit anderen Bereichen wie dem Technischen Dienst, der Gastronomie oder der Pflege/Betreuung.

Seit Herbst 2025 unterstützen Freiwillige den Bereich. Rund zehn Personen engagieren sich. Eine Person begleitet beispielsweise regelmässig Bewohnende im Eschenhaus. Andere helfen bei Ausflügen oder Anlässen. Durch diese Unterstützung entstehen mehr Einzelbegleitungen, und Spaziergruppen können vergrössert werden. Die Zeit der Freiwilligen wirkt unmittelbar und macht vieles möglich.

STABILITÄT ERMÖGLICHEN, AUFBRUCH GESTALTEN

2024 wurden die Zuständigkeiten im Bereich Aktivierung und Freizeit neu geordnet. Dora leitet die Aktivierung, Anaïs die Freizeit. Diese Rollen schaffen Orientierung und stärken die Beziehungspflege.

«Wir sind Aktivierung und Freizeit, zwei Bereiche, aber ein Team. Bei Anlässen und Ausflügen spürt man das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung.»

Anaïs Thévoz ist Leiterin Freizeit in Bärau.

2025 wurde die standortübergreifende Zusammenarbeit weiter vertieft. Mit der neu organisierten Region Emmental intensiviert sich der Austausch mit Konolfingen. Bewohnende aus Trubschachen und Oberburg nutzen bei Bedarf Angebote in Bärau. Die Konzepte der Standorte ergänzen sich und machen zusätzliche Möglichkeiten sichtbar.

Was von aussen leicht wirkt, entsteht durch Planung, Beziehungspflege und viel Erfahrung. Das Team von Aktivierung und Freizeit schafft einen Rahmen, der trägt und zugleich Raum für Aufbruch bietet: behutsam, stetig und mit einer Haltung, die die Bewohnenden ins Zentrum stellt.

«Chömet bi üs cho ineluege», laden Anaïs und Dora ein.

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